07.09.2015

THW begleitete die Schadstofffahne durch drei Landkreise.

Von Stromversorgung und Beleuchtung über Kraftstoff Verteilung bis zum Abbau eines Dammes reichten die Einsätze, die von den Schwäbisch Haller Helfern in 500 Einsatzstunden in vielen Nächten und Tagen an der Jagst absolviert wurden.

Als es am Dienstag den 25.08.2015 um 12.55 Uhr aus den Funkmeldeempfängern des THW Schwäbisch Hall mit lauter Stimme hieß: „Einsatz für Technisches Hilfswerk Schwäbisch Hall“, hätte sich das Ausmaß des kommenden Einsatzes wohl niemand der Helfer so gedacht. Nach kurzer Rücksprache mit der Leitstelle in Schwäbisch Hall rückte die 2. Bergungsgruppe mit Schwerpunkt Beleuchtung in Richtung Langenburg/Bächlingen ab. Im Schlepptau ein großer Anhänger vollgeladen mit Stromkabeln, Energieverteilern, Wasserpumpen, Schläuchen und Scheinwerfern. Schon auf der Anfahrt über kleine enge Landstraßen wurde schnell deutlich, dass es hier zu einem größeren Einsatz kommen wird. Unzählige Feuerwehrautos reihten sich vor Bächlingen in einer langen Schlange und warteten auf ihre Einsatzbefehle.

Das THW Schwäbisch Hall stellte für die Einsatzleitung vor Ort einen Fachberater, der mit Fachwissen bezüglich Ausstattung und Verfügbarkeit von weiteren Kräften aus der Region beratend zur Seite stand. Während die THW-Helfer aus Crailsheim bei Mulfingen einen Zulauf in die Jagst für Fische sperrten, versorgten die Schwäbisch Haller eine Wasserschaden/Pumpen Gruppe aus Künzelsau mit Strom für deren leistungsstarke Pumpen. Armdicke Stromkabel und Elektroverteiler wurden verlegt, um so an der Einsatzstelle rund 12.000 l Jagstwasser pro Minute abzupumpen und auf angrenzende Wiesen zu verteilen. Bei Einbruch der Dunkelheit wurde die Bächlinger Brücke und die mobile Messstelle der Feuerwehr mit Hochleistungsbeleuchtungsgeräten ausgeleuchtet, um ein sicheres Arbeiten zu gewährleisten. Gegen zwei Uhr nachts beendeten die Haller den Einsatz und fuhren wieder zurück in die Unterkunft nach Sulzdorf.

Mittlerweile war die Schadstofffahne in den Hohenlohekreis weitergezogen. Von dort wurde die Beleuchtungsgruppe des THW Schwäbisch Hall weitere drei Nächte in Folge angefordert, um mobile Pumpstationen mit Strom und Licht zu versorgen. An einer Einsatzstelle musste das Einbringen von Flüssigsauerstoff in den Flusslauf der Jagst überwacht und kontrolliert werden. Der Haller Ortsverband konnte dank der Bereitschaft seiner Helfer, so flexibel reagieren, dass jede Nacht eine andere Mannschaft abrückte und somit die Belastung der Helfer auf ein erträgliches Maß reduziert wurde. Trotz allem war es für jeden eine Herausforderung, tagsüber seiner normalen Arbeit nachzugehen und nachts im Einsatz an der Jagst zu sein. Mehrmals in der Nacht wurde kontrolliert, ob noch genug Kraftstoff in den Tanks war, um Ausfälle zu vermeiden. Schlaf gab es, wenn überhaupt, nur ein paar Stunden auf einem Feldbett unter freiem Himmel. Das stand dann wenige Meter neben einer monoton dröhnenden Dieselpumpe oder einem brummenden Stromaggregat.

Mit Einbruch des Morgengrauens konnte langsam damit begonnen werden, die Beleuchtungsgeräte abzubauen und wieder auf den schweren Einsatzfahrzeugen zu verladen.

Nachdem die Giftfahne in den Landkreis Heilbronn eingelaufen war, verlagerte sich das Aufgabengebiet der Schwäbisch Haller Helfer auf die Unterstützung der Logistikeinheiten in Widdern. Im Zweischichtbetrieb wurde 24 h am Tag Kraftstoff an die Einsatzstellen gebracht, damit die Großpumpen und Netzersatzanlagen ununterbrochen laufen konnten, um die Jagst mit Sauerstoff anzureichern.

Als am Samstagnachmittag die Meldung kam „20 Uhr Einsatzende für das THW Schwäbisch Hall“, ging ein großes Aufatmen durch die Helferschaft. Die Freude darüber sollte jedoch nur von kurzer Dauer sein. Eine halbe Stunde nach der Meldung klingelte bei Raphael Noe, Einsatzleiter des THW Schwäbisch Hall, das Telefon und eine neue Anforderung traf ein. Diesmal musste für Montag 7.9. eine ganze Bergungsgruppe gestellt werden, die zusammen mit einem THW-Kran aus Pfedelbach den provisorischen Staudamm in Jagsthausen wieder abbauen sollte. Nach einigen Telefonaten konnte auch diese Einsatzstelle zugesagt werden.

Nach einem Tag Ruhepause, rückten Montag morgens um 7 Uhr 10 Helfer von Schwäbisch Hall mit einem Kipplaster und einem Gerätekraftwagen ab nach Jagsthausen. Beim Abbau des Dammes unterstützte das DLRG aus Schwäbisch Hall mit Einsatztauchern bei der harten Arbeit. Hunderte Sandsäcke mussten aus dem kalten Jagstwasser herausgeholt und einzeln auf der Ladefläche des Kipplasters ausgeleert werden. Als gegen die Mittagszeit der schwere Brückenbaukran des THW Pfedelbach zusammen mit Helfern aus Heilbronn zur zusätzlichen Unterstützung eintraf, wurden die 35 großen mit Kies gefüllten Bigpacks aus dem Wasser gehoben und ebenfalls mit dem LKW abtransportiert. Gegen 18 Uhr beendeten die Einsatzkräfte die Arbeit. Selbst erfahrene Helfer, die schon seit mehr als 20 Jahren im THW sind, sagten, sie hätten bei keinem bisherigen Einsatz solch dreckige Klamotten gehabt. Das blau der Einsatzkleidung war bei manchen Helferinnen und Helfern nur nach langem Suchen noch zu finden, alles war mit einer braunschwarzen, dreckigen Schlamm- und Sandschicht überzogen.

Auf der Heimfahrt war es immer still in den Einsatzfahrzeugen der Haller, einzige Unterhaltung waren die Funksprüche aus den Digitalfunkgeräten von der THW-Befehlsstelle. Jeder war froh, als die Einsätze vorüber waren und die LKW´s wieder einsatzbereit in die Halle geparkt wurden. Die Einsatzkräfte aus dem Ortsverband Schwäbisch Hall waren seit dem Beginn des Einsatzes vor zwei Wochen über 500 Stunden im Einsatz. Zahlreiche Helfer mussten während der Zeit bei ihren Arbeitgebern freigestellt werden und auf ihre Familien verzichten.


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